24.03.2025

Warum KI-Entwicklung mehr Frauen und Vielfalt braucht

Prof. Dr. Swetlana Franken in der Podiumsdiskussion im Rahmen des 4. Corporate Diversity Summit der F.A.Z.

Das Thema KI und Diversity beschäftigt die Gesellschaft und Medien mehr als je zuvor und umfasst mehrere wichtige Aspekte, die direkte Auswirkungen auf die Fairness und Effizienz von KI-Systemen haben.

Welche Aspekte sind das und wie wirken sie?

Darunter fallen bspw. Bias in Trainingsdaten: KI-Modelle lernen aus bestehenden Daten. Sind diese jedoch unausgewogen oder repräsentieren sie bestimmte Gruppen nicht ausreichend, können sie diskriminierende Entscheidungen treffen. Ein Beispiel ist ein KI-gestütztes Bewerbungssystem, das männliche Bewerber bevorzugt, weil es aus Daten lernt, in denen Männer überrepräsentiert sind. Daneben ist die mangelnde Vielfalt in der KI-Entwicklung zu nennen: Wenn die Teams, die KI-Systeme entwickeln, nicht divers besetzt sind, bleiben bestimmte Perspektiven und Bedürfnisse unberücksichtigt. Studien zeigen, dass vielfältige Teams besser darin sind, Vorurteile in KI zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Ebenso gibt es ungleiche KI-Kompetenzen in der Nutzung: Laut Digital-Index 2024 gibt es signifikante Unterschiede in der Nutzung von KI-Technologien. Frauen nutzen KI weniger häufig und effektiv als Männer, ebenso wie ältere Menschen im Vergleich zu Jüngeren und geringer qualifizierte Personen im Vergleich zu Hochqualifizierten.

Swetlana Franken Podium FAZ und andere

Prof. Dr. Swetlana Franken vertrat bei der Diskussion den Standpunkt, dass Künstliche Intelligenz jedoch kein Mysterium ist, sondern eine Technologie, die unser Leben und Arbeiten erleichtern kann. Doch um ihr Potenzial sinnvoll zu nutzen, ist Kompetenz gefragt. Wer KI-Tools nicht versteht oder gezielt einsetzt, riskiert nicht, von der Technologie ersetzt zu werden – sondern von Menschen, die sie effektiv nutzen können. Dabei ist KI weder gut noch böse. Sie hat keine eigenen Absichten, kein moralisches Verständnis und erzeugt Inhalte, ohne zu wissen, was sie „sagt“. Ihr Einfluss auf die Gesellschaft hängt davon ab, wie wir sie gestalten: Sie kann Vielfalt fördern und Diskriminierung abbauen, aber auch bestehende Vorurteile verstärken. Letztlich hält uns KI einen Spiegel vor. Da sie auf bestehenden Daten basiert, reproduziert sie nicht nur unser Wissen, sondern auch unsere Fehler und Bias. Doch genau diese Reflexion kann eine Chance sein: Indem wir uns unserer eigenen Vorurteile bewusster werden, können wir aktiv an einer gerechteren und inklusiveren Zukunft arbeiten.

Was getan werden kann

„Egal, wie ausgefeilt und begründet die KI-Lösungen und -Vorschläge sind, der Mensch sollte immer das letzte Wort behalten.“

Prof. Dr. Swetlana Franken

Prof. Franken verdeutlichte, dass es für die volle Entfaltung der Potenziale Künstlicher Intelligenz nicht nur leistungsstarke Algorithmen, sondern auch kompetente Nutzer braucht. Fehlendes Wissen führt oft zu Misstrauen, Ablehnung oder einer unreflektierten Nutzung, bei der fehlerhafte Ergebnisse ungeprüft übernommen werden. Der gezielte Aufbau von KI-Kompetenzen – einschließlich kritischen Denkens – ist deshalb essenziell.

Auch die Entwicklung und Implementierung von KI-Systemen sollte divers aufgestellt sein. Heterogene Teams mit Frauen, Expert:innen verschiedener Disziplinen und Vertreter:innen unterschiedlicher Generationen bringen wertvolle Perspektiven ein, um faire, praxistaugliche und inklusive Lösungen zu schaffen.

Neben technischer und personeller Vielfalt braucht es zudem klare gesetzliche und ethische Rahmenbedingungen. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verantwortung in der KI-Entwicklung sind wichtig, um Diskriminierung zu verhindern und das Vertrauen in die Technologie zu stärken. Nur wenn KI fair gestaltet und reflektiert genutzt wird, kann sie echten gesellschaftlichen Mehrwert bieten.